Was macht eine gute Kinderbetreuung aus?
Vom Babysitter für die Abendstunden bis hin zur Kinderfrau in Festanstellung, die Beschäftigungsverhältnisse der Kinderbetreuer im Privathaushalt sind vielfältig. Während eine Kinderfrau meist in einem Angestelltenverhältnis arbeitet und ein umfangreiches Pflichtprogramm zu erfüllen hat, so ist das Tätigkeitsfeld eines Babysitters eher begrenzt und auf eine oberflächliche Betreuung beschränkt. Und trotzdem: Beide Betreuungsarten haben den Anspruch auf eine vollumfängliche Versorgung des Nachwuchses, damit die Kinder eine kindgerechte Betreuung erfahren. Wie sieht nun eine gute Kinderbetreuung ohne Wenn und Aber aus?
Die Herausforderung
Eine qualifizierte Kinderbetreuung ist in jedem Fall eine anspruchsvolle Aufgabe, die Eltern nicht unterschätzen sollten, denn sie stellt jede Kinderfrau vor eine vielschichtige Herausforderung. Neben den Aufgaben, die sich aus dem Stellenprofil ergeben wie z.B. Betreuung, Chauffeurdienste, Hausaufgaben und Spiel, trägt jede Betreuungsperson auch die Verantwortung für die kognitive, soziale und emotionale Entwicklung der Kinder.
Die Kinderbetreuung zeichnet sich durch die Fürsorgepflicht aus, an die alle Erzieher und Babysitter gebunden sind, in dem Moment, in dem ihnen das Kind durch den Erziehungsberechtigten übergeben wurde. Es geht darum, das Wohlbefinden der Kinder sicher zu stellen und alles Erdenkliche dafür zu tun, dass sie sich geborgen fühlen und es ihnen gut geht.
Bei allen Tätigkeiten rund um die Kinder geht es um eine fürsorgliche Betreuung und Versorgung, die je nach Alter und Charaktereigenschaften unterschiedliche Merkmale aufweist. Ein 12-jähriger Junge braucht eine andere fürsorgliche Betreuung als ein 1‑jähriges Kind, das soeben erst laufen gelernt hat.
Vom Gesetzgeber geregelt
Um das Wohlergehen zu gewährleisten, hat der Gesetzgeber im Jahr 2000 im engen Zusammenhang mit den Zielsetzungen der Kinderrechtskonventionen der UN von 1989 ein Gesetz erlassen, dass das Wohl jedes einzelnen Kindes sichern soll. Das Kindeswohl soll durch die Erfüllung der Fürsorgepflicht sichergestellt werden. Sie ist im Bürgerlichen Gesetzbuch § 1626 Abs. 1 BGB, verankert und ist:
- eine Erziehungspflicht, um den Reifeprozess eines Kindes durch Bildung und Erziehung zu fördern
- eine Schutzpflicht, die die Gesundheit und das Wohlergehen eines Kindes gewährleisten soll
- eine Pflicht zur Personensorge
- eine gesetzliche oder vertragliche Verpflichtung, die die Eltern ihren Kindern gegenüber schulden
Die Erziehungspflicht
Sie dient dazu, Kinder entsprechend ihres Alters zu versorgen und sie dabei zu begleiten, Begabungen und Talente zu entdecken! Man kann von einer guten Kinderbetreuung erwarten, dass sie die Bereitschaft mitbringt, ihre Schützlinge entsprechend anzuleiten, um sie in ihrer Entwicklung zu fördern, anstatt sie auszubremsen. Damit sind banale alltägliche Dinge gemeint wie z.B. aktiv mit den Kids im Garten Fußball zu spielen, gemeinsam ein neues Kochrezept auszuprobieren oder den Legobaukasten zusammenzubauen. Um den stets wechselnden Anforderungen der Kinder gewachsen zu sein, sind in diesem Beruf Belastbarkeit und Stressresistenz von Nöten. Bei Streitigkeiten muss eine Nanny mit Ruhe ein großes Durcheinander entwirren können und auf die Einhaltung von Regeln konsequent bestehen.
Die Schutzpflicht
Im Rahmen der Kinderbetreuung ist die Schutzpflicht der wichtigste Part der Fürsorgepflicht. Sie soll die Gesundheit der Kinder sicherstellen und die Kinder vor Unfällen schützen. Diese Schutzpflicht enthält drei wichtige Gesichtspunkte, die bei jedem Kinderbetreuer in “Fleisch und Blut“ übergehen muss:
- die Aufsichtspflicht, die im § 1631 BGB geregelt ist und die die ständige Überwachung und Kontrolle der zu beaufsichtigen Kinder erfordert, um sie vor einer Selbstschädigung oder einer Schädigung durch Dritte zu schützen
- die Informationspflicht, die zu einer vorsorglichen Belehrung und Warnung vor Gefahr verpflichtet
- die Eingriffspflicht, die zu vorausschauendem Agieren und zu einer Versorgung im Notfall verpflichtet
Wie die Schutzpflicht umgesetzt wird
Hier ist beobachten, kontrollieren, vorrauschauendes Agieren die Devise. Kinder müssen immer und ausnahmslos auf Schritt und Tritt begleitet und kontrolliert werden. Man darf auch niemals müde werden, sie danach zu fragen, wohin sie gehen, was sie vorhaben, um sie aufklären zu können, sie gegebenenfalls von riskanten Manövern abzuhalten oder sie dabei zu begleiten. Zudem sollten die Aufsichtspflichtigen wissen, wo sich die ihnen anvertrauten Personen gerade befinden und welcher Tätigkeit sie nachgehen, um vorhersehbare Gefahren zu erkennen und sie vor eventuellen Schäden zu bewahren.
Eine Nanny muss stets in einem wachsamen und vorausschauenden Agieren handeln, um einschätzen zu können, wo Verletzungsgefahren drohen. Kinder sind unberechenbar und probieren neue Dinge aus, sie kommen auf die verrücktesten Gedanken! Kinder sind wild und unbeholfen, Kinder turnen, klettern und springen von Mauern. Es genügt nur ein Moment der Ablenkung, in dem man vielleicht nur mit einem halben Auge aufpasst und schon hat sich das Kind verletzt, ist gestürzt, hat sich verbrannt, ist hingefallen oder oder oder…….
In keinem Augenblick darf ein Kind unbeaufsichtigt bleiben, es muss immer zu 100% beaufsichtigt werden. Auch wenn man glaubt, das Kind gut genug zu kennen, darf man sich niemals in Sicherheit wiegen. Man darf auch niemals argwöhnisch sein, denn auch bei einem harmonischen Spielenachmittag mit mehreren Kindern kann plötzlich ein Streit vom Zaun brechen. Nur ein genaues Beobachten der Kinder kann diese Entwicklung durch entsprechendes Einschreiten vorzeitig verhindern. Grundsätzlich sollte eine Nanny darauf achten, dass alle scharfen Gegenstände außer Reichweite von Kindern aufbewahrt werden. Sicherheitsmaßnahmen und Verkehrserziehung müssen konsequent durchgeführt werden. Überall und zu jeder Zeit lauern Gefahren auf die Kleinen.
Fürsorge bedeutet auch Personensorge
Neben dem leiblichen Wohl wie Essen, Trinken und warme Kleidung braucht jedes Kind auch Schutz und Liebe sowie einen strukturierten Tagesablauf. Sie haben Bedürfnisse, die erfüllt werden wollen. Dazu gehört auch das seelische Wohl der Kleinsten, dass im Fokus einer Kinderbetreuung stehen sollte: Anteilnahme und Trösten bei Kummer, Aufmuntern bei Traurigkeit, Ablenkung, um die Sehnsucht zu stillen, Mitgefühl zeigen, gemeinsam singen und lachen, die Welt entdecken, Spaß haben und Freude schenken, um viele positive Erlebnisse zu schaffen, die noch lange in Erinnerung bleiben.
Fazit
So verschieden wie die Bedürfnisse der Familien sind, so unterschiedlich fallen auch die Vorstellungen von guter Kinderbetreuung aus. Grundsätzlich sollte sie sich aber immer durch eine Kombination aus emotionaler Zuwendung und fachlicher Kompetenz auszeichnen, bei der das Wohlbefinden sowie die individuelle Förderung des Kindes im Mittelpunkt stehen.
Die Fürsorgepflicht der Kinderfrau bedeutet nicht nur Pflichterfüllung, sondern geht über die übliche Hilfsbereitschaft hinaus. Sie ist eine aktive Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der Kinder, um sie in ihren Anliegen zu unterstützen. Jeder Kinderbetreuer sollte auf die Wünsche der Kinder eingehen, sie ernst nehmen und sich liebevoll um sie kümmern. Es ist wichtig, dass Ihre Nanny eine gute Bindung zu Ihren Sprösslingen aufbaut, eine kontinuierliche Beziehungsarbeit leistet: ihnen aktiv zuhört, auf sie eingeht, sie versteht und respektiert! Sie kann eine harmonische Vertrauensbasis schaffen, die Beziehung zu ihnen stärken und mit der Zeit ihre Freundschaft gewinnen.
Mit dieser Verbindung ist es einfacher, Kinder zu betreuen. Sie befolgen Anweisungen und halten sich eher an Absprachen und Regeln, als wenn keine enge Verbindung vorhanden ist. Wenn Sie sich eine nachhaltige Kinderbetreuung wünschen, ist diese liebevolle Verbindung zu den Kindern essenziell. Damit ist der Grundstein für eine langfristige gute Zusammenarbeit gelegt.