Warum Nanny-Modelle sehr oft scheitern
Eine zuverlässige Versorgung der Kinder stellt für viele Eltern eine echte Herausforderung dar, die sie im Alltag oft an ihre Grenzen bringt. Um Job und Familie unter einen Hut zu bringen und keine Versorgungslücken aufkommen zu lassen, wird schließlich nach einer Kinderfrau Ausschau gehalten, die die Familie zuverlässig unterstützt. Das Ziel ist es, ein harmonisches Gleichgewicht aus den beruflichen Verpflichtungen und den privaten Angelegenheiten zu schaffen.
Das Problem
Die Suche nach einer passenden Kinderbetreuung ist stets ein schwieriges Unterfangen für die Familien, da diese mit einem aufwendigen Rekrutierungsprozess verbunden ist. Viele ungeklärte Fragen tauchen am Horizont auf und bis zur finalen Anstellung müssen etliche Schritte gegangen werden, die zeitintensiv sind und Nerven kosten.
Nach dem soundsovielten Kandidaten wird dann oftmals vorschnell eine Entscheidung getroffen, nur um den langwierigen Prozess zu beenden und endlich eine Lösung für das Versorgungsproblem gefunden zu haben. Den Zuschlag für die Stelle erhält in der Regel der Bewerber, bei dem die Anstellungsbedingungen wie Arbeitszeiten und Gehalt mit den Vorstellungen der Eltern übereinstimmen. Die Notlage, in der sich viele Familien befinden, lässt sie oftmals zu überstürzten Handlungen hinreißen, die sie dann auch genauso schnell wieder bereuen. Die Kinder sind die Leidtragenden, weil sie mit Situationen konfrontiert wurden, die man ihnen lieber hätte ersparen sollen.
Das Dilemma
Anstatt nun die Versorgung der Kinder sichergestellt zu haben, endet die Einarbeitung der neuen Kinderfrau in einem Desaster. Am Ende des Tages ist von Überforderung die Rede und die sympathische Nanny, die im Vorstellungsgespräch hochmotiviert war und einen so vielversprechenden Eindruck gemacht hatte, klagte am Ende des Tages über einen gestressten Arbeitsalltag, der ganz anders verlief, als sie sich das eigentlich vorgestellt hatte. In unserer Praxis werden wir immer wieder mit Geschichten von enttäuschten Eltern konfrontiert, die ihre ganze Hoffnung auf die neue Kinderfrau gesetzt hatten und nun partout nicht nachvollziehen können, was schiefgelaufen ist.
Die Ursachen
Es gibt vielfältige Gründe, warum einige Familien solche unschönen Erfahrungen machen müssen! Grundsätzlich lässt sich sagen, dass ein nicht ordnungsgemäß durchgeführter Bewerbungsprozess, bei dem viele Aspekte der Rekrutierung einfach außeracht gelassen bzw. einfach unter den Tisch gekehrt wurden, maßgeblich für das Scheitern verantwortlich ist. Hinzu kommt die mangelnde Erfahrung und Unsicherheit in der Personalauswahl, die schließlich zu subjektiven Beurteilungsfehlern führen: falsche Kandidaten werden eingestellt und geeignete abgelehnt.
Bei der finalen Entscheidung für eine Nanny setzen die Familien neben den monetären Aspekten auf Sympathie und Bauchgefühl anstatt auf Kompetenzen und Fähigkeiten. Die fachliche Eignung der Kinderbetreuungsperson findet im Auswahlprozess leider nur wenig Beachtung. Es wird weder überprüft, ob der Bewerber über die notwendigen Qualifikationen verfügt, noch ob er den Anforderungen der Tätigkeit überhaupt gewachsen ist. Dass das Bauchgefühl als finales Entscheidungskriterium ein schlechter Ratgeber und in den seltensten Fällen ausreichend ist, wird uns immer wieder bestätigt. Die Intuition hilft uns zwar, schnelle Entscheidungen zu treffen, ohne lange nachdenken zu müssen. Liegen uns jedoch nicht genügend Erfahrungswerte vor, dann kann uns unser Bauchgefühl auch in die Irre führen.
Falsche Erwartungshaltungen der Eltern
Die Tätigkeit einer Nanny umfasst im Wesentlichen die Betreuung und Beaufsichtigung der Kinder während der Abwesenheit der Eltern. Die Ansage der Eltern lautet in etwa so: „Abholen der Kinder von der Schule, fahren zum Sport, Nachmittagssnack, Betreuung und Spiel“. Die Aufgaben werden in der Regel genau festgelegt, damit die Betreuungsperson weiß, was zu tun ist. Warum der alles entscheidende Blick über den Tellerrand dabei jedoch ausbleibt, dafür gibt es zwei Gründe:
- Die Eltern haben eine recht niedrige Erwartungshaltung an ihre künftige Nanny, sie möchten nur, dass das Versorgungsprogramm zuverlässig abgewickelt wird; sie haben auch nicht das Bedürfnis, dass ihre Kinder eine tiefgreifende Betreuung erfahren, sie möchten keine nahe Verbindung der Kinderfrau zu der Familie aufbauen
- Die Erziehungsberechtigten setzen wie selbstverständlich dieselben Leistungen voraus, wie sie diese von einer ausgebildeten Kita- Mitarbeiterin in einer staatlichen Einrichtung gewohnt sind; sie glauben, dass jemand der sich als Kinderfrau bewirbt, wohl auch Ahnung von der Materie haben muss, denn sonst würde sich die angehende Betreuungsperson ja schließlich nicht als Kinderfrau bewerben
Diese Einstellungen mancher Eltern sind Denkfehler, die fatale Folgen haben können. Beide Fälle zeigen deutlich, warum im Vorstellungsgespräch nicht lange nach den Kompetenzen gefragt wird: es wird keine Notwendigkeit darin gesehen!
Falsche Erwartungshaltungen der Kinderfrauen
Grundsätzlich hat jeder Bewerber die Absicht, einen guten Job zu machen und den Kindern eine schöne Zeit zu bescheren. Leider gehen viele Babysitter mit einer falschen Vorstellung an diese Tätigkeit heran; sie nehmen den Betreuungsjob zur sehr auf die leichte Schulter!
In den vielen Bewerbungsanschreiben, die wir täglich erhalten, stehen schon mal Kommentare wie z.B. „Ich möchte gerne als Kinderfrau arbeiten, weil es Spaß macht mit Kindern zu spielen“ oder „Ich habe mich überall beworben, ich brauche ganz dringend Geld!“ Grundsätzlich sind solche Aussagen zwar nicht unbedingt etwas Verwerfliches, jedoch erkennt man die wahre Gesinnung dahinter. Es ist fraglich, ob den Bewerbern überhaupt bewusst ist, welches hohe Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein diese Tätigkeit voraussetzt. Stellen sich diese Betreuungspersonen dann bei einer Familie vor, wird diese falsche Sichtweise dann auch noch dadurch untermauert, dass nicht lange nach den Qualifikationen gefragt wird. Das erweckt bei den Bewerbern den Eindruck, dass wohl auch nicht sonderlich Wert auf fachliche Kompetenzen gelegt wird, was ja auch der Fall ist.
Auch in unseren Interviews begegnen wir Bewerbern, deren Behauptungen nachweislich so nicht richtig sind! Es sind sehr oft leere Worthülsen, einstudierte Phrasen, die der Stellenbeschreibung und den Vorstellungen der Auftraggeber entsprechen. Sie sollen beim Stellenanbieter den Eindruck erwecken, die richtige Person gefunden zu haben. Die Rahmenbedingungen im Privathaushalt und die vielen Vorteile hinsichtlich der Betreuung machen diese Arbeitsplätze für viele Bewerber besonders attraktiv:
- Diese Jobs befinden sich nicht in einem Unternehmen, sondern in einem familiären Umfeld, man hat nicht unbedingt das Gefühl, als wenn man zur Arbeit gehen würde
- Der Leistungsdruck, wie er in einer Firma auf der Tagesordnung steht, ist im Privathaushalt nicht gegeben
- Über Art und Umfang der Aktivitäten kann frei bestimmt werden
- Man hat das Sagen und ist der Chef über die Kinder
Die anfängliche Euphorie vieler Kinderfrauen ist spätestens dann verflogen, wenn sie feststellen müssen, dass diese verheißungsvollen “Chefpositionen“ Verpflichtungen mit sich bringen, die über ein einfaches Aufpassen weit hinaus gehen. Auch wenn alle geforderten Aufgaben abgehakt wurden, reicht es nicht aus, mit Kindern Spielchen zu spielen oder sich von ihnen bespaßen zu lassen. Eine kindgerechte Betreuung sieht anders aus.
Fazit
Beim Vorstellungsgespräch müssen die Karten offen auf den Tisch gelegt werden. Es muss glasklar kommuniziert werden, welche Qualifikationen Sie von Ihrer künftigen Nanny erwarten! Eruieren Sie unbedingt, welche Erfahrungen der Bewerber in Betreuung und Erziehung bereits gemacht hat. Sie brauchen eine Kinderbetreuung, die sich engagiert den Anforderungen der Betreuung stellt und nicht am Ende des Tages das Handtuch wirft. Nur so schaffen Sie gute Voraussetzungen für einen möglichst reibungslosen Ablauf innerhalb der Familie.
Bitte gehen Sie niemals ein Risiko auf Kosten Ihrer Kinder ein und nehmen Sie Abstand davon, jeder x beliebigen Person, die sich im Interview als liebenswürdig und umgänglich zeigt, Ihre Kinder anzuvertrauen, um dann insgeheim darauf zu hoffen, dass schon alles gut gehen wird. Die Chemie zur Betreuungsperson sowie die Gehaltsforderungen sind ein entscheidender Faktor, aber achten Sie in erster Linie darauf, dass ihr Wunschkandidat sich mit den Werten Ihrer Familie identifiziert.